Zertifikate
Zertifikate stellen eine Sonderform der Wertpapiere dar. Rechtlich sind sie eine Form der Schuldverschreibung – wirtschaftlich eher eine Art Investmentfonds.
Ursprung der noch relativ neuen Zertifikate war die Eingrenzung von Anlagemöglichkeiten im Rahmen des Investmentrechtes. Zertifikate unterliegen dem allgemeinen Wertpapierrecht, nicht aber besonderen Vorschriften über eine Anlagepolitik.
Zertifikate werden an die Wertentwicklung bestimmter Anlagen oder Anlageklassen geknüpft. Sie werden so zum Spiegelbild von Aktien, Währungen, Rohstoffen oder anderen Anlageformen. Von der jeweiligen ‚Verknüpfung’ hängen die Wertentwicklung und das Risiko eines Zertifikates ab. Da es nur vertragliche Regelungen über die Ziel-Investments gibt (keine gesetzlichen) kann die Anlagepolitik sehr eng auf bestimmte Bereiche oder Indices gerichtet sein. Im Gegensatz zu Investmentfonds gibt es keine Mindest-Diversifikation.
Ein Zertifikat stellt im Rahmen der Vertragsbedingungen eine bedingte Rückzahlung des angelegten Kapitals dar. Dabei kann die Rückzahlung des Nennwertes durch den Emittenten garantiert sein – dies ist aber die Ausnahme und muss ausdrücklich dokumentiert sein. Im Normalfall ist die Rückzahlung abhängig von der Entwicklung des Wertes, an den das Zertifikat ‚geknüpft’ ist.
Bei Garantie-Zertifikaten kommt es für den Anleger darauf an, wer der Emittent ist und wer somit die Rückzahlungsgarantie abgibt. Soweit es sich um namhafte europäische oder internationale Banken handelt, kann der Anleger sich ein Bild über deren Solidität machen. In jedem Fall aber kann er sich fachlichen Rat zur Einschätzung der Bonität eines bestimmten Emittenten einholen. Der Emittent ist nicht automatisch identisch mit dem Anbieter eines Zertifikates. Viele Banken stellen lediglich ihre Infrastruktur für die Abwicklung zur Verfügung und die Konzeption für die spezielle Ausprägung des Zertifikates wurde von einem anderen Unternehmen entwickelt und angeboten.
Garantie-Zertifikate stehen unter dem Aspekt des Risikos einer Anleihe gleich, bei der es neben der Bonität des Schuldners auf die Laufzeit ankommt. Zu unterscheiden ist weiterhin, ob es während der Laufzeit auch zu Auszahlungen kommt, oder ob eine Verzinsung ausschließlich von der Entwicklung der Werte abhängt, an die die Entwicklung des Zertifikates gekoppelt ist. Wenn die Wertentwicklung der dem Zertifikat zugrunde liegenden Werte neutral oder negativ verläuft, hängt der Wert dieser Zertifikate von der Garantie ab und wird sich in der Nähe des Nennwertes (in Abhängigkeit von der Restlaufzeit) bewegen.
Ist die Wertentwicklung der zugrunde liegenden Werte positiv, steigt der Wert des Zertifikates. Ob ein solcher Wert realisiert werden kann hängt davon ab, ob die Gesellschaft eine Rücknahme anbietet oder ob das Zertifikat an einer Börse gehandelt wird. Anders als bei Investmentanteilen gibt es keine Möglichkeit der direkten Rückgabe zum täglichen Inventarwert an den Emittenten.
Die Bedingungen von Zertifikaten sind stark unterschiedlich und die Beteiligung an der Wertentwicklung der zugrunde liegenden Werte kann eingeschränkt sein. Spiegelbildlich besteht eine verwirrende Vielfalt von Namen und Bezeichnungen von Zertifikatsstrukturen.
Die Abschätzung des Risikos hängt somit von der Struktur des Zertifikates und der Bonität des Emittenten ab.

Samstag, 19.05.2012